Automatisierung im Praxisalltag: Rezepte, Befunde, Rückrufe
Wo Automatisierung in der Ordination sofort Zeit spart, wo sie klar aufhören muss und wie viel eine Praxis dabei realistisch gewinnt.
Dr. techn. Alireza Fasih ·
Wenn man in einer Ordination fragt, was den Tag lang macht, hört man selten von der Medizin. Man hört vom Papier. Vom Zettelstapel neben dem Telefon, auf dem steht "Fr. M., Blutdrucktabletten, ruft nochmal an". Vom Rezeptordner. Von der Liste mit Rückrufen, die um sechzehn Uhr abgearbeitet werden soll und um siebzehn Uhr noch immer nicht leer ist.
Diese Arbeit ist nicht schwierig. Sie ist zerstückelt. Und genau das macht sie so teuer, denn jede Unterbrechung kostet mehr als die Aufgabe selbst.
Rezeptbestellungen: der stille Dauerbrenner
In einer durchschnittlichen Allgemeinmedizin machen Rezeptbestellungen zwischen fünfzehn und dreißig Prozent aller Anrufe aus. Bei chronisch geführten Patienten ist es der einzige regelmäßige Kontakt mit der Ordination.
Das Problem ist selten die Bestellung selbst, sondern ihre Unvollständigkeit. Ein Patient sagt "die Blutdrucktabletten". Welche Dosierung, welche Packungsgröße, seit wann, wie oft. Die Assistentin muss in der Karteikarte nachsehen, das dauert, und in der Zwischenzeit läutet das nächste Telefon.
Automatisiert sieht das anders aus. Ob über ein Formular auf Ihrer Website oder über den Telefonassistenten: Es wird abgefragt, was gebraucht wird. Name, Sozialversicherungsnummer, Medikament, Dosierung, Packungsgröße, Einnahmeschema. Unvollständige Bestellungen werden gar nicht erst entgegengenommen, sondern nachgefragt. Was bei Ihnen ankommt, ist eine Liste, die der Arzt der Reihe nach abarbeiten kann.
Der Gewinn liegt nicht darin, dass ein Rezept schneller entsteht. Er liegt darin, dass keine Rückfrage nötig ist.
Befunde und Unterlagen
Der zweithäufigste Grund für einen Rückruf ist die Frage, ob ein Befund schon eingelangt ist. Das ist eine reine Statusfrage.
Hier hilft eine simple Umkehrung. Statt darauf zu warten, dass der Patient anruft, informieren Sie ihn, sobald der Befund da ist. Eine kurze Nachricht, dass Unterlagen vorliegen und wie sie abgeholt oder besprochen werden. Das ersetzt drei Anrufe pro Befund.
Umgekehrt gilt dasselbe für Unterlagen, die von außen kommen. Ein Upload Formular, über das Patienten Befunde von Fachärzten oder aus dem Spital vorab schicken können, spart Ihnen das Scannen am Empfang und dem Patienten den Weg. Wichtig ist nur, dass klar geregelt ist, wie lange diese Dateien liegen bleiben und wer sie löscht.
Die Rückrufliste, die es nicht mehr braucht
Rückrufe entstehen fast immer aus einem einzigen Grund: Es war beim ersten Kontakt jemand nicht erreichbar oder eine Information hat gefehlt.
Wenn ein Assistent jeden Anruf annimmt und die Anliegen vollständig aufnimmt, schrumpft die Rückrufliste auf die Fälle zusammen, in denen tatsächlich eine ärztliche Entscheidung nötig ist. Das sind in der Regel wenige pro Tag. Und diese wenigen sind dann vorbereitet, mit Anliegen, Vorgeschichte und Erreichbarkeit.
Ein Team, das statt achtzehn Rückrufen noch vier hat, arbeitet spürbar anders. Das ist der Punkt, an dem Automatisierung aufhört, ein Effizienzthema zu sein, und ein Thema der Arbeitszufriedenheit wird.
Zusammenfassungen statt Mitschriften
Jedes Gespräch, das ein Assistent führt, kann als kurze Zusammenfassung in Ihrem Postfach landen. Nicht als Rohtranskript, das niemand liest, sondern als drei Sätze: Wer hat angerufen, worum ging es, was ist zu tun.
In der Praxis ist das eine der am meisten unterschätzten Funktionen. Der Arzt sieht am Abend in zwei Minuten, was den Tag über an organisatorischen Anliegen hereingekommen ist, ohne dass jemand berichten muss. Wenn Sie möchten, bekommen nur bestimmte Anliegen eine Mail, etwa Rezeptbestellungen oder Absagen für den nächsten Tag.
Was nicht automatisiert gehört
Es gibt Bereiche, in denen Automatisierung schadet, und man sollte sie klar benennen.
Alles, was eine Einschätzung des Zustands erfordert, bleibt beim Menschen. Ein Assistent darf Symptome aufnehmen und weiterleiten, er darf sie nicht bewerten. Er darf sagen, dass bei bestimmten Beschwerden sofort die Rettung zu verständigen ist, aber er darf nicht entscheiden, ob eine Beschwerde harmlos ist.
Ebenso wenig gehören schlechte Nachrichten automatisiert. Ein auffälliger Befund wird nicht per automatischer Nachricht mitgeteilt. Das ist keine technische, sondern eine berufsethische Grenze, und sie ist nicht verhandelbar.
Und schließlich: Wer Sie kennt und Sie sprechen will, muss Sie erreichen können. Ein Assistent, der eine Weiterleitung an einen Menschen verweigert oder erschwert, ist falsch konfiguriert. Die Möglichkeit, mit dem Team zu sprechen, muss jederzeit in einem Satz erreichbar sein.
Wie viel das wirklich bringt
Rechnen wir konservativ. Eine Ordination mit hundert Anrufen pro Tag, davon fünfundsechzig Prozent Routine. Zwei Minuten pro Routineanruf sind rund zwei Stunden reine Gesprächszeit. Dazu kommt der Unterbrechungsaufwand, der in der Literatur mit dem Ein bis Zweifachen der eigentlichen Tätigkeit angesetzt wird.
Sie sprechen also über zwei bis vier Stunden pro Tag, die am Empfang gebunden sind, ohne dass dabei medizinisch etwas passiert. Selbst wenn Sie davon nur die Hälfte zurückgewinnen, ist das eine halbe Stelle, die Sie nicht suchen, nicht einschulen und nicht ersetzen müssen.
Der Weg dorthin ist kürzer, als Sie denken
Automatisierung im Praxisalltag scheitert selten an der Technik. Sie scheitert daran, dass niemand die Zeit hat, sie einzuführen.
Deshalb ist der einzige Zuschnitt, der funktioniert, der kleine. Ein Bereich, klar abgegrenzt, in wenigen Tagen produktiv, danach messbar. Nehmen Sie die Rezeptbestellungen. Oder die Anrufe außerhalb der Öffnungszeiten. Wenn dieser eine Bereich nach zwei Wochen funktioniert, entscheiden Sie über den nächsten. Wenn nicht, haben Sie wenig verloren.
Wir arbeiten genau so. Kurze Schritte, echte Abläufe, keine Projektpläne über Monate. Wenn Sie wissen wollen, welcher Bereich in Ihrer Ordination am schnellsten Wirkung zeigt, schauen wir uns das gemeinsam an: servus-ki.com.